Nur mitgelaufen

Chemnitz – Wegen des Vorwurfs der Beteiligung an einem Angriff auf das ehemalige links-alternative Wohn- und Kulturprojekt wurde gestern ein Angeklagter am Amtsgericht freigesprochen. Im beigefügten Verfahren wegen Körperverletzungen von zwei Jugendlichen im März 2011 wurden zwei weitere Angeklagte verurteilt.

Vor zwei Wochen berichtete Press AB über den Prozessbeginn. Gestern wurde im Amtsgericht ein Urteil gefällt. Ursprünglich sollte das Verfahren bereits am ersten Prozesstag beendet sein. Ein Zeuge fehlte jedoch unentschuldigt und wurde zum gestrigen Termin durch Beamte vorgeführt. Er muss nun wahrscheinlich die Kosten für die zusätzliche Verhandlung zahlen. Mit seiner Vernehmung war auch die Beweisaufnahme abgeschlossen.
Die Verlesung des Bundeszentralregisters (BZR) machte deutlich, dass alle Angeklagten in der Vergangenheit schon öfters mit der Justiz zu tun hatten. Alle drei wurde bereits wegen Körperverletzungen verurteilt. Deutlich heraus sprang dabei der Angeklagte Andy V. mit 14 Einträgen wegen verschiedener Delikte.
Weil die Angeklagten J. und V. noch in den Bereich einer möglichen Jugendstrafe fielen, wurde ihr Werdegang dem Gericht skizziert. Nach Angabe der Jugendgerichtshilfe haben V.s schwierige Familienverhältnisse und seine Alkoholabhängigkeit, die bereits im Alter von 13 seinen Anfang nahm, ihn sehr geprägt. Aufgrund seiner derzeitigen positiven Entwicklung empfahl sie dennoch eine erneute Bewährung auszusprechen.

Es folgten die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigungen. Chris J. Anwalt Kohlmann führte in seinem Plädoyer an, dass nicht der Beweis erbracht wurde über eine Beteiligung am Landfriedensbruch. Bei „Leuten, die man aus dem Stadion kennt“ ist er mitgegangen. Ob er nun mitgegangen ist oder nicht hätte für die Tat selber keine Rolle gespielt. Dies sah das Gericht ebenfalls so und sprach den Angeklagten frei. Ursprünglich war Lars K. ebenfalls angeklagt wegen Landfriedensbruch an der Reitbahnstraße 84. Das Verfahren wurde vorzeitig eingestellt, weil ihn eine wesentlich höhere Strafe erwartet im beigefügten Verfahren.
Bei den Körperverletzungen gegen zwei Jugendliche im März 2011 sah das Gericht nur im Fall des Geschädigten S. eine gefährliche Körperverletzung als erwiesen an. Lars K. und Andy V. wurde identifiziert und die Aussagen der anderen Zeugen bestätigten die Schilderungen. Zumal zeigten sie sich geständig, was zu ihren Gunsten ausgelegt wurde. Jedoch die Brutalität der Tat als auch der niedrige Beweggrund in Form eines St. Pauli Pullover wurde zu ihrem Nachteil ausgelegt.
Bei Lars K. wurde aufgrund einer vorherigen Verurteilung eine Gesamtstrafe von einem Jahr und drei Monaten zur Bewährung verhängt. Der Richter warnte ihm, dass es das letzte Mal sei. Als Bewährungsauflage wurde ihm eine Zahlung von 1000€ an einen Verein auferlegt. Bei einer Zuwiderhandlung würde sofort seine Bewährung widerrufen, machte der Richter ihm deutlich.
Auf die Empfehlung der Gerichtshilfe im Falle von Andy V. wollte das Gericht jedoch nicht eingehen. Die Verurteilung erfolgte zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren, die aber wegen des erzieherischen Effektes nun zu einer Freiheitsstrafe ausfallen müsse. „Es bestehe die latente Gefahr, dass er wieder Straftaten begeht“, so der Richter in seiner Begründung. In der Vergangenheit wurde V. mehrere Therapien seines Alkoholproblems nahe gelegt, diese habe er aber nie durchgeführt.
Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft stellte im Fall des Landfriedensbruch eine Berufung in Aussicht.